Aerodynamik beim Rennrad: welchen Einfluss haben verschiedene Griffvarianten?

Integrierte Trinksysteme, individuell gefertigte Cockpits aus dem 3D-Drucker und versteckte Bremssysteme – im Zeitfahren und Triathlon führt derzeit kein Weg am Thema Aerodynamik vorbei. Es gibt kaum einen Profi, der noch nie in einem Windkanal oder im Velodrom war, um Sitzposition und Equipment zu testen.

Diesem Trend schließen sich mittlerweile immer mehr Amateure und Agegrouper an. Im Kampf gegen die Uhr erscheint das auch mehr als sinnvoll, denn der Windwiderstand steigt bekanntlich im Quadrat, wenn ich die Geschwindigkeit steigere. Im Einzelzeitfahren oder Triathlon kann ich mit einer optimierten Aerodynamik richtig viel Zeit gut machen.

Doch lassen sich diese Erkenntnisse auch auf ein Straßenrennen übertragen? Welche Rolle spielt die Aerodynamik im Peloton? Und wie viel Energie oder Leistung kann ich auf einem Rennrad überhaupt einsparen? Wir wollen diesen Fragen einmal nachgehen und haben eine kleine Testserie gestartet.

Welchen Einfluss haben Armhaltung, Sitzposition und Equipment auf dem Rennrad?

Schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass man sich immer über die gesamte Renndauer im Windschatten verstecken kann. Manchmal macht es die Renndynamik auch erforderlich, dass wir Führungsarbeit leisten oder Lücken zufahren müssen, und mutige Fahrer versuchen gelegentlich einen Ausreißversuch.

Eines vorweg: Aerodynamische Optimierung beginnt auch auf dem Rennrad mit der Sitzposition. Bevor du jetzt auf teures Material setzt, sollte dein erster Weg zu einem erfahrenen Bikefitter gehen. Basis für die Aerotests sollte eine möglichst komfortable Sitzposition sein, in der du über einen langen Zeitraum verbleiben und eine gute Leistung aufs Pedal bringen kannst.

Jetzt beginnt die Optimierungsarbeit auf dem Rennrad. Im Vergleich zum Triathlonsport sind die Möglichkeiten sicherlich etwas eingeschränkt, da das Reglement der UCI strikte Vorgaben nennt, was man an einem Rennrad verändern darf. Vorgeschriebene Rahmengeometrie und Lenkerformen lassen hier weniger kreativen Spielraum zu. Dennoch gibt es auch auf dem Rennrad genug Möglichkeiten, um ein paar Watt einzusparen.

Im ersten Test-Setup haben wir die Auswirkung verschiedener Griffhaltungen getestet. Die meisten Radler fahren im Oberlenker, greifen an die Bremshebel oder den Unterlenker. Deshalb haben wir für diese drei Positionen eine Baseline ermittelt. Um das Ergebnis nicht durch verschiedene Armwinkel im Ellenbogen zu verfälschen, bin ich die erste Testreihe mit gestreckten Armen gefahren.

Das Ergebnis dürfte erstmal nicht überraschen: Die besten Aerodynamik-Werte habe ich im Unterlenker erreicht, die schlechtesten im Oberlenker. Das dürfte schlicht am Hüftwinkel liegen. Beim Griff an den Oberlenker sitzt man deutlich aufrechter als an den Bremshebeln oder an den Unterlenker. Entsprechend viel Stirnfläche stellt sich dem Wind entgegen.

Dennoch war ich erstaunt, wie viel man durch die dynamischere Griffhaltung am Unterlenker einsparen kann. Der Unterschied zwischen Oberlenker und den Bremshebeln ist relativ gering: Mit gestreckten Armen und den Händen am Oberlenker lag mein CdA bei 0,424 Punkten; an den Bremshebeln sank er um 0,01 Punkte auf 0,414 Punkte.

Etwas anschaulicher wird die Ersparnis, wenn man die aeroCast-Vorhersage für meine Referenzstrecke betrachtet: Für die 180km-lange Radstrecke der Challenge Roth würde ich bei einer Durchschnittsleistung von 200 Watt rund 5:45:09 Stunden brauchen, wenn ich diese komplett im Oberlenker fahren würde. Mit dem Wechsel an die Bremsgriffe ließe sich die Zeit um fast 3 Minuten verbessern.

Noch mehr Ersparnis: Durch den Griff an den Unterlenker ist mein CdA auf 0,366 Punkte gesunken. Hochgerechnet auf die Radstrecke in Roth ergibt sich dadurch ein Zeitvorteil von 14:55 Minuten. Mit 200 Watt wäre laut aeroCast eine Zeit von 5:30:31 Stunden drin. Unterlenker lohnt sich also richtig.

In den nächsten Blogs werden wir euch weitere Optimierungsmöglichkeiten durch eine geänderte Armhaltung vorstellen.

Hier geht es zur Testsuite.