Wir haben Anja Beranek im Trainingslager auf Fuerteventura getroffen und Sie hatte Zeit mit uns über Ihre Saison, neue Ziele 2017, Lieblingstiere und natürlich Aerodynamik zu sprechen.

Sebastian: Hallo Anja, schön, dass du Zeit für uns hast.
2016 Jahr war ja ein sehr erfolgreiches Jahr bei dir – du hast in Kona den 4. Platz gemacht und deine Radleistung war auch sehr herausragend. Was hast du dir für 2017 vorgenommen – wieder Kona?

Anja: Ja – tatsächlich ist es Kona – das ist wohl auch keine Überraschung, nachdem das Rennen im letzten Jahr richtig gut geklappt hat. Es ist die Weltmeisterschaft, es ist das wichtigste Rennen in der Triathlon Szene und damit auch das wichtigste Rennen für mich als Profi-Triathletin. Und ja – großes Ziel dabei – ich will mich verbessern und nicht verschlechtern. Was natürlich schön wäre, wenn man das auch an der Platzierung sieht.

Sebastian: Das Playitas hier auf Fuerteventura gehört ja auch zu deinen Sponsoren. Wie oft und lang bist du da hier, um dich für diese Ziele vorzubereiten?

Anja: In der Summe sind das 10 bis 12 Wochen, die ich hier bin. Das spielt sich vorwiegend natürlich in den eher schlechten Jahreszeiten ab – von Januar bis März, oder manchmal auch schon ab Dezember. Da bin ich dann immer im zwei- bis drei-Wochen-Takt hier. Also zwei bis drei Wochen Trainingslager und dann ein bis zwei Wochen zu Hause zur Regeneration. Und das immer im Rhythmus von Januar bis März. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich dann auch die Hawaii-Vorbereitungen hier auf der Insel gemacht. Dafür bin ich im September noch mal 3 Wochen hier gewesen. Das hat sehr gut funktioniert und deshalb werde ich das in diesem Jahr wieder genauso machen. Das fühlt sich an wie ein zweites Zuhause.

Sebastian: So etwas ähnliches hast du auch auf Instagram gepostet.
Kommen wir mal zu dir und deinem Fahrrad. In der Formel 1 gibt es ja so ein Gerücht, dass ein guter Fahrer auch ein guter Mechaniker ist. Würdest du das beim Triathlon mit dir und deinem Fahrrad unterschreiben?

Anja: Ich glaube, dass es definitiv ein Vorteil ist. Leider trifft diese Aussage jetzt nicht auf mich zu. Ich bin nicht gerade die beste Mechanikerin am Rad. Wenn man Athleten sieht wie Sebastian Kienle – er ist ja so ein bisschen Vorreiter beim Thema Aerodynamik im Triathlon und war auch einer der Ersten, der in den Windkanal ist und sich Gedanken gemacht hat, wie er auf dem Rad sitzt. Ich würde daraus ableiten, dass dieses Thema eher die Männerdomäne ist. Ich hatte immer das große Glück, dass ich jemanden gefunden habe, der mir als Externer bei diesem Thema helfen konnte. Verstehen krieg ich noch hin – das machen wird dann manchmal ein bisschen schwierig.

Sebastian: Wie ist denn so grundsätzlich dein Interesse an der Technologie rund um das Fahrrad. Wir haben uns gestern beim Frühstück kurz getroffen und da hast du kurz erwähnt, dass die Entscheidung für dein Rad primär durch das Kriterium Farbe bestimmt ist.

Anja: Äh – ja. Natürlich! Ich bin ne Frau und da spielt Farbe eine große Rolle im Leben. Und jeder der mich kennt weiß, dass es eine Farbe gibt, die ich besonders gern mag.
Pink macht schnell und das konnte ich auch schon in ein paar Rennen zeigen. Aber mal im Ernst: Aerodynamik ist ein großes Thema in unserem Sport – bei Männern, wie bei den Frauen. In diesem Bereich sind wir Frauen den Männern leider etwas hinterher, doch das ändert sich stark. Ich als Athletin habe auf jeden Fall in den letzten Jahren ganz besonders viel dazugelernt und das Thema ist bei mir nach wie vor stark im Vordergrund. Das Radfahren ist meine Paradedisziplin und um genau diese Leistung zu verbessern, kann ich hier an den Zahlen bestimmt noch etwas drehen.

Sebastian: Du machst es mir leicht im Übergang. Jetzt hast du das Thema Aerodynamik schon angesprochen. Was war denn bisher dein größtes aerodynamisches AHA Erlebnis?

Anja: Ich würde sagen der Zeitfahrhelm. Bis vor drei Jahren war ich tatsächlich noch mit einem normalen Helm unterwegs – aus optischen Gründen. Dann habe ich mal so ein Ding aufgesetzt, auch wenn das wirklich bekloppt aussieht. Bei einer Abfahrt habe ich gemerkt , dass ich einfach schneller bin. Gesehen habe ich das natürlich nur auf dem Tacho und dann kam der Gedanke: „Oh Oh, der bringt was“. Damit war das für mich das größte Erlebnis. Alles andere ist natürlich immer eine Summe von vielen kleinen Dingen, an denen ich im letzten Jahr gearbeitet habe (Stichwort: Ceramic Speed oder auch Spezialkette). Dann haben wir noch die Sitzposition geändert und angepasst. Am Ende war es dann für mich wirklich nur noch … WOW.

Sebastian: Wegen der Sitzposition bist du ja zum Bike-Fitter gegangen. Wie würdest du einen Test auf der Bahn gegenüber dem Windkanal oder einem Bike-Fitter bewerten, bzw. in welcher Reihenfolge ist das sinnvoll für das Optimieren?

Anja: Ich hab jetzt nicht überall die Expertise. Zum Beispiel war ich noch nicht selbst im Windkanal und das mit der Bahn war nicht so wie ich mir das vorgestellt habe. Nichtsdestotrotz, aus der Erfahrung und dem Austausch mit anderen Athleten, ist der Weg zum Bike-Fitter die Nummer eins. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht und mit Fritz Buchstaller ein Ur-Gestein an meiner Seite, der sehr viel Expertise hat, aber auch neue Dinge ausprobiert. Das lässt sich zwar dann direkt vor Ort nicht mit Zahlen validieren, aber die Ergebnisse beim Athlet sprechen für sich. Die Erfahrung sammelt ein Bike-Fitter ja auch bei Tests im Windkanal und auf der Bahn.

Nummer zwei wäre dann der Test auf der Bahn und Nummer drei der Windkanal – das wäre meine Reihenfolge.

Sebastian: Du hast dich für Kona 2016 von Fritz Buchstaller richtig aufs Rad setzen lassen. Hast du davor, danach oder währenddessen den aeroTEST gemacht? Was konntest du von dem aeroTEST in Verbindung mit dem Fitting für dich ganz persönlich mitnehmen? Wenn das dann was gebracht hat, woran würdest du das fest machen?

Anja: Wir haben das so gemacht, dass wir zuerst den aeroTEST mit der Originalposition gemacht haben. Anschließend sind wir in den Laden, haben meine Position angepasst – z.B. die Extensions ein bisschen höher gestellt. Dadurch kam der Oberkörper noch mal 1,5 cm weiter nach unten. Danach haben wir den Test wiederholt und konnten somit Vergleichswerte generieren. Das Ergebnis war ein verbesserter CWA-Wert.

Was wir zusätzlich noch im Test herausgefunden haben – das hatte nichts mit der Sitzposition zu tun sondern mit meinem Verhalten auf dem Fahrrad. Bei dem aeroTEST muss ich ja eine bestimmte Wattzahl treten. Also habe ich immer auf mein GARMIN geschaut und der war so platziert, dass ich eine sehr ungünstige Kopfhaltung hatte. Fritz hat mich beobachtet beim Test und sagte: „Du musst dein GARMIN woanders hintun, denn wenn du da draufschaust und im Rennen auch nach Watt fährst, dann muss der so positioniert sein, dass du ihn siehst und die optimale Sitzposition hast.“ Klingt eigentlich total simpel, gehört dann aber zu den Dingen, die oftmals vergessen werden. So viel Platz ist ja auch nicht auf dem Lenker und man muss schon schauen, wo alle Geräte untergebracht werden, damit man sie sieht.

Sebastian: Jetzt noch ein paar persönliche Fragen an „DIE ANJA“. Wir hatten ja gerade den Jahreswechsel. Viele Menschen nehmen sich etwas vor, was sie gern ändern wollen in ihrem Leben. Meist geht es darum ein Laster abzustellen. Welches Laster würdest du an dir abstellen in 2017? Hast du sowas überhaupt oder möchtest du was loswerden?

Anja: Ehrlich gesagt – nicht unbedingt! Bei mir spielt der Jahreswechsel keine so große Rolle. Ich versuch eher konstant an mir zu arbeiten. Ich hab beispielsweise zu Hause eine große Pinnwand. Da steht dann alles Mögliche drauf, was ich verändern möchte – sowohl sportlich, als auch im Leben. Deshalb lebe ich jeden Tag diesen Jahreswechsel. Für 2017 stehen da Dinge drauf, die sind nicht sonderlich neu – aber sich ab und zu daran zu erinnern ist nicht verkehrt – z.B. trainieren, essen, schlafen und genießen als Basics. Das Ganze ist gespickt mit ein paar Hilfen, wie kann ich glücklich durchs Leben gehen.

Sebastian: Du hast erzählt, dass du BWL studiert hast. Welchem Job würdest du nachgehen, wenn Triathlon nicht gerade dein Job wäre?

Anja: Hmmm – Triathlon ist meine große Leidenschaft, deswegen seh’ ich das manchmal nicht als Job, sondern als „ein bisschen mehr als Hobby“. Natürlich lebe ich das als Job.
Was mir schon tatsächlich Spaß macht ist kreatives Arbeiten. Und ja, ich habe BWL studiert und der Bereich Marketing gefällt mir sehr gut – mit Storys, Farben und Konzepten. Das mit dem Bereich der Sportindustrie oder direkt dem Sport zu verbinden – Sportmarketing sozusagen. Das könnte mir gefallen.

Sebastian: Du bist mit deinem Rad ja aus aerodynamischer Perspektive ein Gesamtsystem. Wenn ihr zwei nun ein Tier wärt, welches Tier wäre das?

Anja: Ich glaub wir wären ein Löwe. Wenn ich morgens aufwache sehen meine Haare so aus. Die Löwenmähne passt dann schon super zum Rad.

Sebastian: Und von welchem Tier würdest du dir aerodynamische Tipps abschauen?

Anja: Vom Pinguin. Aber nur im Wasser.
Und mein Lieblingstier ist der Delphin und ich liebe meine Hündin – jetzt haben wir alle Tiere durch.

Sebastian: Vielen Dank für das Interview.

Anja: Ja, gern.