Während unserer Zeit im Trainingscamp auf Fuerteventura hatten wir die Möglichkeit, den sympathischen Profi-Triathloncoach Utz Brenner zu interviewen.

Sebastian: Utz, du hast in deinem „früheren Leben“ (wie man so schön sagt) bei IBM in einer Führungsposition gearbeitet. Welche Rolle hat Sport für dich in dieser Zeit gespielt? Was waren die Auslöser einen Wechsel als Pro-Trainer anzustreben?

Utz: Sport war zu jeder Zeit ein wichtiger Teil meines Lebens. Über eine Wette bin ich vor ca. 25 Jahren zum Triathlon gekommen.

Der Auslöser die IBM zu verlassen, war einfach der, dass ich gefühlt habe nicht mehr mit der 100%igen Begeisterung dabei zu sein und Lust auf eine neue Herausforderung hatte. In die Aufgabe als Trainer bin ich hineingewachsen. Aber ich hatte schon immer Freude mit engagierten Menschen zu arbeiten.

Sebastian: Viele Menschen halten sich sklavisch an normierte Trainingspläne und eifern damit Ergebnissen nach, die durch solche Trainingspläne angeblich erreicht werden sollen. Bei dir steht der Mensch (als Athlet) in seiner Ganzheitlichkeit im Mittelpunkt (steps4). Das erfordert ein hohes Maß an Empathie und Bereitschaft neue Dinge auszuprobieren (und ist sicherlich auch als Coach extrem zeitintensiv). Was treibt dich dabei an, bzw. was gibt dir Recht, dass du dich für diesen Weg als Coach entschieden hast?

Utz: Mein Eindruck ist, dass es sehr gute standardisierte Pläne gibt. Weiter ist mir wichtig, dass sicherlich jeder Trainer seine Überzeugung verfolgt und wenn ich mich umschaue, auch sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Meine Überzeugung ist, dass jeder Athlet ein Individuum ist, welcher unterschiedliche Trainingsinhalte und Ansprachen benötigt. Ein vertrauter Austausch zwischen Athlet und Trainer ist für mich das Entscheidende. Auf dieser Basis, mit gutem Feedback vom Athleten, mit konzentrierter, strukturierter Arbeit, mit einem motivierenden Ziel wird nachhaltiger Erfolg entstehen. Was nicht vergessen werden darf, dass ich jeden Tag von meinen Athleten lerne und u.a. im Dialog mit anderen Trainern mich stetig weiterentwickle.

Sebastian: Auf der einen Seite nutzt du diesen individuell auf den Athleten und seine Situation angepassten Stil des Coachings und auf der anderen Seite spielst du deine analytischen Stärken aus, für deine Athleten. Von Tag zu Tag mit Daten gestützt passt du Trainingspläne an und baust Menschen auf ihre Ziele zu erreichen. Siehst du darin die Zukunft des Coachings? Bzw. was wünscht du dir, um deine Art des Coachings noch besser machen zu können?

Utz: Ja, ich bin ein großer Freund der Mathematik – ich schätze es sehr mit diese Fakten zu arbeiten. Aber an erster Stelle steht das persönliche Feedback meiner Athleten. Da habe ich z.B. viel von Daniela Sämmler gelernt. Die Zahlen bei der Wattmessung auf dem Rad bzw. die technischen Daten beim Laufen machen ja keinen Athleten schneller. Aber diese richtig zu interpretieren und im gemeinsamen Dialog, mit dem Athleten, weiter zu entwickeln macht einen Athleten schneller. Ja, ich glaube die Entwicklung wird weitergehen und die Athleten werden eine zusätzliche Erwartungshaltung an uns Trainer haben.

Mein Wunsch ist sicherlich, dass die Daten noch einfacher zur Verfügung stehen und womöglich in „Echtzeit“ z.B. während einem Rennen gesendet werden.

Sebastian: Um deinen ganzheitlichen Ansatz noch zu vervollständigen arbeitest du auch im Bereich des Bike-Fitting und setzt deine Kunden/Athleten auch richtig aufs Rad. Wie häufig machst du das mit deinen Athleten über eine Saison? Welche Parameter prüfst du dabei direkt nach? Wie testen ihr verschiedene Equipments?

Utz: Also hier müssen wir unterscheiden, bei einem Profi können 30 Sekunden entscheiden, ob dieser auf dem Podium das Rennen beendet oder nicht. Deshalb arbeitet man permanent an der Einstellung. Hier werden definitiv für die unterschiedlichen Distanzen auch unterschiedliche Positionen festgelegt. Diese werden mit neuem Equipment und durch neue Trainingseindrücke/Tests ständig überprüft und ggf. korrigiert. Die hauptsächlichen Parameter sind die Knie-, Hüft-, Armwinkel und darüber hinaus, dass die Kraft auch direkt am Pedal ankommt.

Sebastian: Du hast dich in diesem Jahr ja wieder für einen IronMan angemeldet. Das heißt du musst selbst auch ein klein bisschen trainieren, um dich vorzubereiten. Das Bike und der Fahrer sind ja aus einer aerodynamischen Perspektive ein Gesamtsystem. Als welches Tier würdest du dich selbst beschreiben? (und warum) Und: von welchem anderen Tier würdest du dir aerodynamische Tipps abschauen?

Utz: Wenn wir uns die Anpassung in der Natur anschauen, dann würde ich in Richtung Meer schauen. In Gedanken entsteht zwar ein echter Favorit, aber aus meiner persönlichen „Sicherheit“ nenne ich dieses lieber nicht ;-). Von der Aerodynamik werde ich eine Position wählen, die gute aerodynamische Werte hat, aber so komfortabel ist, dass ich einen guten Marathon laufen werde.

Ansonsten werde ich die Langdistanz mit guten Freunden bestreiten und mit dem Ziel verfolgen, gesund zu finishen und gleich essen zu können 😉

Sebastian: Als letztes frage ich dich als jemand, der in diesem Jahr seinen ersten IronMan absolvieren möchte und gerade damit beginnt einen Wissensstand aufzubauen. Welchen aerodynamischen Tipp kannst du mir als Profi geben? (vielleicht etwas, das ich selbst ausprobieren kann)

Utz: Da gibt es einige. Als erstes würde ich –wie oben erwähnt- bei einer Langdistanz auf Komfort achten und auf dieser Basis, das optimale Gesamtpaket mit z.B. Helm erarbeiten. Dann würde ich am Rad darauf achten, dass Du aerodynamische Laufräder mit den schnellsten Mäntel (nahezu neu) fährst, eine flache Rahmenflasche mit Dir führst und vorne eine flache Aeroflasche. Dann sämtliche Brems- und Schaltzüge nach innen verlegen. Als nächstes das Rad ständig putzen und mit besten Schmiermitteln versehen.